Sebil und Şadırvan ‒ Meisterwerke historischer Brunnenkultur in der Türkei Ausstellungseröffnung im Yunus Emre Enstitüsü Wien

02/03/2018

Am 1.März 2018 eröffnete das Yunus Emre Enstitüsü Wien eine Ausstellungsreihe mit verschiedenen Schwerpunkten und Vorträgen zur Türkischen Wasserkultur. Den Auftakt der Reihe bildet eine Ausstellung mit historischen Aufnahmen und bildlichen Darstellungen sogenannter Sebil und Şadirvan mit einem einführenden Fachvortrag von Kunsthistoriker Ömer Faruk Şerifoğlu.

Der Abend wurde von Direktorin Ayşe Yorulmaz eröffnet, die über die Bedeutung von Wasser in der Welt und im Islam sprach und das Wort anschließend an Şerifoğlu weitergab. Der Kunsthistoriker ergänzte die einführenden Worte der Direktorin und erläuterte ausführlich die Rolle von Wasser im Islam und die damit verbundenen Traditionen in der muslimischen Welt. Im Islam werde Wasser als Quelle des Lebens betrachtet, weshalb ihm unter den vier Grundelementen auch die essentiellste Rolle zukomme. Wasser sei das pure, das reine Leben selbst und wer durstende Lebewesen mit Wasser versorgt, dem sei ein Platz im Paradies gesichert.

Die Errichtung eines Brunnens für das Volk galt in der türkischen Geschichte als besonders verdienstvolle Wohltat. Dies war auch der Grund, warum überall in Istanbul und in anderen Regionen des ehemaligen Osmanischen Reiches Brunnen gestiftet wurden, welche die Wasserversorgung der Bevölkerung garantieren sollten. In aufwendig gestalteten Brunnenhäuschen, den sogenannten Sebil, wurde in Trinkschalen sauberes Wasser an Reisende und Passanten verteilt. Während Sebil für profane Zwecken genutzt wurden, waren im Innenhof von Moscheekomplexen die sogenannten Şadirvan zu finden, welche als Wasserquelle für die rituelle Waschung vor dem Gebet dienten und daneben auch eine ästhetische Funktion erfüllten. Durch ihre einzigartige, pavillonähnliche Bauweise und ihre aufwendigen Dekorierungen gelten sie ebenso wie die Sebil als signifikantes Element osmanischer Baukunst. Details zu den in Istanbul teilweise noch vorhandenen Sebils und deren Baukunst können in der ‒ derzeit nur auf Türkisch vorhandenen ‒ Publikation Su Güzeli – İstanbul Sebilleri („Ästhetische Baukunst in Istanbul am Beispiel historischer Stiftungsbrunnen“) von Ömer Faruk Şerifoğlu nachgelesen werden.

Anhand von bildlichen Darstellungen historischer Sebil und Şadırvan aus Istanbul und Bursa können Beispiele dieser architektonischen Meisterwerke außerdem noch bis 16. März 2018 im Yunus Emre Enstitüsü Wien betrachtet werden. Im Laufe des Jahres werden zudem weitere Ausstellungen und Fachvorträge zur Bedeutung von Wasser in der türkischen Kultur folgen.